kieselworte

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Foto: Gudrun Klinkhammer

Kölnische Rundschau vom 11.12.2010

 

Worte sind wie kleine Kieselsteine

Gedichtband von Astrid Günther aus Golbach Am Sonntag Matinee im Kaller Kulturraum

KLAUS PESCH

GOLBACH. Es sind Gedichte, die zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Ruhigwerden auffordern. Ein Beispiel: "meditation / spür die / fahrplanlücke / zwischen den / atemzügen." Astrid Günther aus Golbach beherrscht das scheinbar mühelose Spiel mit Worten, gewinnt Assoziationen aus ungewohnten Wort-Kombinationen. Jüngst hat sie im Verlag Pi ihren ersten Gedichtband "kieselworte" herausgebracht, eine kleine, auf cremefarbenem Papier gedruckte bibliophile Kostbarkeit mit einem hübschen Passepartout. Am Sonntag liest sie im Rahmen einer Matinee im Kaller Kulturraum aus ihrem Werk.

Astrid Günther benutzt Worte wie Kiesel: Jeder der kleinen Steine habe sein eigenes Gesicht, könne sperrig, aber auch rund und glatt sein. Das Schöne und das Kantige soll sich in ihren Gedichten finden lassen.

Sie sei ein Mensch, der Sehnsucht nach Kontemplation habe, sagt Astrid Günther von sich selbst. Das war auch der Grund, weshalb sie sich dafür entschied, in den Orden der Dominikanerinnen von Bethanien einzutreten. Sie wäre heute möglicherweise Nonne, hätte sie während ihres Noviziats nicht Thomas Günther kennen gelernt, der ein Mitbruder von ihr war und in Walberberg lebte. Zunächst verband die beiden eine tiefe Freundschaft, später wurde mehr aus dieser Beziehung. Beide traten aus ihrem Orden aus und heirateten 1993. Zunächst lebten beide in Heimbach, doch dann fand er Arbeit in der Fachklinik Marienborn in Zülpich, während sie in Euskirchen zunächst im Jugendamt und später dann bei der Arge arbeitete.

Astrid Günthers Gedichte können aus dem inneren Bedürfnis, eine Situation zu bewältigen, entstehen. Aber zuweilen wolle sie auch "eine schöne Erfahrung extrahieren", sagt sie. Manche Texte entstünden aus einem Guss, andere hingegen müssten durch mehrere Filter hindurch, bis nur noch die Worte übrig blieben, die notwendig seien.

 

Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.05.2010

Poesie auf Stichworte verkürzt

LITERATUR Astrid Günther veröffentlicht einen Gedichtband

Kall-Golbach. Das Buch fällt auf. Sein Format erinnert an das alter Notenschreibhefte, die Farbe des Einbandes ist dunkelrot. In einem ausgeschnittenen Fenster sind auf dem Titelblatt mit der Hand gezeichnete Kieselsteine zu sehen. Astrid Günther nennt ihr Erstlingswerk "kieselworte". Kurze Gedichte füllen insgesamt 87 Seiten. Zudem findet man auf einigen Seiten Zeichnungen von Anja Clemens.

Das erste Gedicht trägt den Titel "poesie" und lautet: "kühner noch - alles überflüssige - verdampfen - bis nur - extrakt - bleibt - das wort - das nährt." Mit diesen Zeilen ist die grundsätzliche Vorgehensweise der Autorin beschrieben. Günther: "In manchen Gedichten ringe ich um jedes Wort, manche Stücke schreibe ich allerdings auch in einem Rutsch herunter." Alle Worte schreibt sie inzwischen klein, denn damit möchte sie signalisieren, dass ihr alle Worte gleich wertvoll und wichtig sind.

Die Kaller Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Geschwind meint im Vorwort: "Die knappen Gedichte sind Sinnes- und Gedankenimpulse." Die Autorin, die seit Anfang des neuen Jahrtausends in ihrer Wahlheimat Golbach lebt, schrieb bereits als 17-Jährige. Ihre damaligen Texte wurden in zwei Buchprojekten des Herder-Verlags veröffentlicht.

Nach dem Abitur entschied sich die junge Frau, in ein Kloster einzutreten. Doch während der ersten beiden Jahre dort vertiefte sich die Freundschaft zu dem Dominikaner Thomas Günther. Deshalb traten beide aus dem Orden aus und heirateten. Astrid Günther: "Ich wollte damals Nonne werden, weil mir eine ausgeprägte Spiritualität anhaftet."

Astrid Günther studierte nach ihrer Zeit im Kloster Sozialarbeit, lange war sie in Euskirchen beim Jugendamt tätig. Günther: "Das hat mich seelisch dermaßen gefordert, dass ich damals kein einziges Gedicht schrieb." Nun ist sie bei der Arge für die Finanzen zuständig. "Den Kopf habe ich seither wieder frei und schreibe regelmäßig."

Das Buch "kieselworte" erschien im Verlag "Pi", es wurde zunächst 300 Mal gedruckt. Erhältlich ist die Publikation in jedem Buchladen und kostet zwölf Euro.

Die Premierenlesung findet am Samstag, 29. Mai, 20 Uhr, im "Kleinen Landcafé" in Gesotz bei Plütscheid statt. Im Dezember wird Astrid Günther im Kulturraum Kall lesen. Weitere Informationen zum Buch gibt es im Internet.

(Gudrun Klinkhammer)

 

Trierischer Volksfreund am 18.05.2010

Kieselworte und Kieselsteine

Christiane Hamann vom Verlag Pi in Weißenseifen hat ihre bibliophile Buchreihe um die Gedichtsammlung "Kieselworte" von Astrid Günther aus Kall (Kreis Euskirchen) erweitert. Zu den Wortbildern wurden Kieselsteinzeichnungen von Anja Clemens gestellt.

Weißenseifen/Kall. (bb) "Ihre Gedichte sind wie die Kiesel in Märchen, die einen Weg weisen, den Weg zurück nach vorne, ins innerste Zuhause", hat die Lektorin Elisabeth Geschwind der Autorin Astrid Günther im Vorwort gewidmet. Die Gedichte sind feingeschliffen und felsenfest, mag dem Leser in den Sinn kommen, wenn er das Buch durchstreift und verweilt.

Etwa bei den vier Zeilen des Gedichts "meditation": "spür die/fahrplanlücke/zwischen den/atemzügen". Oder bei dem bildreichen "leinen los oder wäsche im mai": blasen/wirft der wind/aus bahnen/stoff/segel/blähen sich/im grünen hafen/die laken/löschen ihre fracht/später/aus zwei wolken."

Astrid Günther löst Gedankenimpulse aus, wenn sie einen Geruch, einen Ton oder ein Licht skizziert. "Sie zeichnet mit leisen, leichten Wortbildern die biografische Landkarte eigener Seelenwelten nach", beschreibt Elisabeth Geschwind die knappen Gedichte.

Die Lyrikerin lässt Tages- und Jahreszeiten anklingen. Sie erfindet neue Wörter und Begriffe: die Verleisebarung, die Hinterkopftüre, die Ausrufezeichen des Danks, das letzte Glimmen der Kälte, den ungebrückten Meerspalt.

Auch handwerklich ist das Buch schön geworden: Der dunkelrote Umschlag ist Bucheinband und Passepartout gleichermaßen, ist Umrahmung aus leichter Pappe für die acht zarten Zeichnungen und die Dutzende feinsinniger Gedichte auf cremefarbenem Papier. 90 Seiten im Querformat hat der Band, kostet zwölf Euro.

Astrid Günther ist 40 Jahre alt und stammt aus Hürth im Rheinland. Bereits in den Jahren 1986, 1987 und 1993 veröffentlichte sie Gedichte im Herder- und im Vier-Türme-Verlag. Nach dem Abitur und einer kurzen Episode im Studiengang Sonderpädagogik zog es sie in den Orden der Dominikanerinnen von Bethanien, den sie nach zwei Jahren während des Noviziats wieder verließ. Sie studierte im Anschluss Sozialarbeit an der Katholischen Fachhochschule in Köln und ist heute als Sozialarbeiterin in der Eifel tätig. Sie lebt mit ihrem Mann in Kall/Kreis Euskirchen.

Kontakt: Christiane Hamann, Verlag Pi, 54597 Weißenseifen, Telefon 06594/94883.

(Brigitte Bettscheider)